PFLANZENSCHUTZ UND BIENEN

Gesunde Bienen in einer modernen Landwirtschaft

In intakten Ökosystemen leisten Bienen, zusammen mit weiteren Insekten, einen wesentlichen Beitrag zur Bestäubung von Wild- und Nutzpflanzen. Sie sind ein bedeutender Treiber für eine produktive Landwirtschaft und die Sicherstellung einer gesunden Ernährung.

Welche Rolle spielen Bestäuberinsekten für die Nahrungsmittelproduktion?

Bestäuberinsekten wie Hummeln, Honig- und Wildbienen sind für die Erzeugung von Lebensmitteln und damit für die globale Ernährungssicherheit von entscheidender Bedeutung. 80% aller in Europa zur Produktion von Lebensmitteln angebauten Pflanzen (dazu zählen viele Gemüsesorten wie die Tomate oder Gurke) und 40% der globalen Lebensmittelproduktion profitieren von diesen Bestäubungsleistungen.

Wertvolle Honigbiene

Bee collecting pollen (canstockphoto 5415299)

Die Honigbiene gilt als der wichtigste Bestäuber von Kultur- und Wildpflanzen und ist damit ein bedeutendes Nutztier des Menschen. Sie wird von Landwirten geschätzt, da sie gezielt zur Bestäubung der Kulturen eingesetzt werden kann. Neue Studien lassen nun aber erahnen, dass die Rolle der Wildbienen und anderer Wildbestäuber bisher deutlich unterschätzt wurde. Im Gegensatz zu den Honigbienen sind Wildbestäuber wie Wildbienen und Hummeln auch bei niedrigeren Temperaturen, Regenwetter und Wind aktiv und somit oftmals ebenbürtige, effizientere oder gar die alleinigen Bestäuber bestimmter Blütenpflanzen.

Was bedroht die Gesundheit der Bestäuberinsekten?

Pollination by butterfly

Wissenschaftliche Untersuchungen legen nahe, dass die Bienengesundheit von verschiedenen Faktoren abhängig ist. Die Forschung hat dabei keinen einzelnen Faktor als Ursache identifiziert, sondern macht vielmehr eine Kombination von Gründen für den Rückgang der Bienenpopulationen in einigen Regionen verantwortlich. Zu den Ursachen zählen etwa Viren, Bakterien und Parasiten (z.B. Milben), die Bienenstöcke mit Krankheiten infizieren und damit welche schwächen. Hinzu kommen eine ungenügende Ernährungsgrundlage über die gesamte Saison, der Verlust natürlicher Lebensräume wie Hecken und Uferzonen, ungünstige Klimabedingungen sowie in einigen Fällen die unsachgemässe Anwendung von Pflanzenschutzmitteln oder die nachlässige Haltung und nachlassende Vermehrung durch die Bienenzüchter.

Kann Bienengesundheit gemessen werden?

Beehives

Die Bienengesundheit wird von verschiedenen Ursachen beeinflusst, was eine genaue Bestimmung der Kausalzusammenhänge erschwert. Frühere Modelle beschränkten sich daher auf eine kleine Auswahl an Parametern. Dank neuster IT-Technologie ist es nun aber mit dem BEEHAVE Model möglich, die Gesundheit eines ganzen Bienenstocks abzubilden und dabei Umwelteinflüsse wie Nahrungsangebot, Krankheitsdruck und weitere Elemente inklusive saisonaler und landschaftlicher Gegebenheiten zu berücksichtigen.

Pflanzenschutzmittel und Bienengesundheit

Wirkstoffe von Pflanzenschutzmitteln werden vor der Zulassung gründlich durch die staatlichen Behörden geprüft. Erst wenn das antragstellende Unternehmen sämtliche erforderten Nachweise bezüglich Sicherheit des Wirkstoffes erbracht hat, wird dieser für spezifische Anwendungen auf definierten Pflanzenkulturen registriert. Dabei werden explizit die möglichen Auswirkungen auf Nichtzielorganismen wie die Honigbiene getestet. Pflanzenschutzmittel zählen damit zu den am besten geprüften chemischen Stoffen überhaupt.

Two Bees and dandelion flower, series of dandelion.

In wenigen Einzelfällen wurden Bienenvölker durch den nicht vorschriftsgemässen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln geschädigt (z.B. durch Nichtbefolgung von Anweisungen auf Produkte-Etiketten). Dieses Risiko wird durch entsprechende Trainings minimiert. Fälle missbräuchlichen Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln, die Schäden an Bienenbeständen verursacht haben, sind in der Folge intensivierter Bemühungen seitens der Behörden, Industrie und Anwenderorganisationen in den letzten Jahren signifikant zurückgegangen.

Einige theoretische Forschungsarbeiten postulierten jüngst, dass Pflanzenschutzmittel selbst bei vorschriftsgemässer Anwendung direkt für Verluste bei Bienenvölkern verantwortlich sein könnten. Diese Studien stützten sich auf Laborversuche oder andere Studien mit einem unrealistischen Design, in denen einzelne Bienen in einem künstlichen Umfeld einem Wirkstoff eines Pflanzenschutzmittels ausgesetzt wurden und so eine Reaktion zeigten. Unter realen Bedingungen im Feldversuch könnten aber diese Thesen nie erhärtet werden.

Wie gesund sind die Bienen wirklich?

Meldungen dramatischer Rückgänge der Honigbienenbestände seit der Jahrtausendwende in Europa und Nordamerika, insbesondere über die Wintermonate, gelten als Auslöser der öffentlichen Debatte über den Gesundheitszustand der Honigbienenbestände und der jüngsten Verschärfung der gesetzgeberischen Vorgaben beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Aktuell zeigen neue Daten der zuständigen staatlichen Behörden sowie unabhängiger Forschungseinrichtungen (etwa die COLOSS-Studie, welche unter Federführung der Universität Bern entstand), dass die Gesundheit der Honigbienen in manchen Jahren europaweit erfreulich gut ist. Die Winterverlustraten 2013/2014 waren unerwartet tief und auch die Gesundheit der Bienenvölker war im vergangenen Jahr besser als erwartet.

Was unternimmt die Industrie, um Bestäuberinsekten zu schützen?

Flowers on meadow

Die Bienengesundheit kann langfristig nur dann nachhaltig verbessert werden, wenn alle involvierten Akteure gemeinsam agieren. Die Industrie investiert in die Erforschung und Entwicklung neuer Produkte, die noch geringere Risiken für Nichtzielorganismen bergen und gleichzeitig den Landwirten ermöglichen, ihre Nutzpflanzen zu schützen. Gemeinsam mit Partnern staatlicher Behörden und bäuerlicher Organisationen stellt sie zudem sicher, dass die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse im Bereich Applikation der Pflanzenschutzprodukte zu den Anwendern gelangen. Ausserdem setzt sie sich mit weiteren Partnern wie Universitäten und Forschungsanstalten dafür ein, die Biodiversität in der Landwirtschaft (etwa durch Feldrandstreifen) zu verbessern und damit die Bienenvölker nachhaltig zu stärken.

Gezielter Einsatz dank moderner Technologie

Fortschritte in der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln erlauben es heute, Pflanzenschutzmittel sehr gezielt einzusetzen. Dabei kommen je nach Nutzpflanze und Schädlingsdruck unterschiedliche Technologien wie Saatgutbehandlung, Granulate und spezielle Spritzvorrichtungen zum Einsatz.

https://pflanzenschuetzer.ch/wp-content/uploads/2015_Flyer_Bienengesundheit_V2_de.pdf

Völkerverluste

Völkerverluste

In der Schweiz wie in vielen Gebieten der nördlichen Hemisphäre sieht sich die Imkerei mit dem Verlust zahlreicher Völker konfrontiert. Die Varroamilbe scheint bei diesen Verlusten eine herausragende Rolle zu spielen. Wir empfehlen den Imkerinnen und Imkern, die Behandlung gegen Varroa zeitgerecht vorzunehmen, um die Gefahr eines Verlusts von Völkern so gut als möglich zu bannen.Die Völkerverluste können bedeutende wirtschaftliche und ökologische Folgen haben (mangelnde Bestäubung von Kulturen und von wildlebenden Pflanzen) und das Ergreifen von geeigneten

Gestorbenes Bienenvolk

Schutzmassnahmen durch die Imkerinnen und Imker sowie die Veterinärbehörden erforderlich machen. Es ist jedoch schwierig, solche Massnahmen umzusetzen, da zu den Faktoren, die an den Völkerverlusten beteiligt sind, und zu ihren Interaktionen noch viele Fragen offen sind. Da die vermutlich beteiligten Faktoren zahlreich, ihre Identifizierung schwierig und die Wechselwirkungen komplex sind, werden die Kapazitäten des Zentrums für Bienenforschung (ZBF) bei der Bewältigung dieser Aufgabe ebenso überschritten wie die Möglichkeiten anderer Laboratorien oder auch diejenigen eines einzelnen Landes.Aus diesem Grund wurde das Netzwerk COLOSS, das von Liebefeld aus koordiniert wird, ins Leben gerufen. Es vereinigt gegenwärtig 805 Forschende aus 92 Ländern. Diese Forschenden arbeiten eng zusammen, um die Gründe für die Völkerverluste zu finden und diese zu begrenzen. Das Netzwerk hat sich zum Ziel gesetzt, die für die Verluste verantwortlichen Faktoren auf der Ebene der Bienen ebenso wie auf der Ebene des Bienenvolkes zu identifizieren und synergistische Effekte zwischen diesen Faktoren zu untersuchen. Dabei sollen nachhaltige Notfallmassnahmen und -strategien für die Imkerei entwickelt und verbreitet werden, um die Völkerverluste wirkungsvoll einzudämmen. Weitere Informationen zu COLOSS sind in folgenden Artikel verfügbar.

Varroabehandlung ohne Chemie

In Deutschland wurde das Medikament Amitraz zugelassen, demnächst wird Polyvar folgen, mit Amitraz im Wirkstoffcocktail. Aber es brauchen keine neuen Medikamente wie Amitraz oder Polyvar, das sind alles Nervengifte und es werden schnell Resistenzen entstehen.
Ich kann euch versichern: Honigbienen sind nicht vom Aussterben bedroht und wir haben auch keinen Behandlungsnotstand!
Wir haben bereits wirksame organische Säuren zu günstigen Preisen.
Unsere Bienen leiden unter der Varroa und den durch sie übertragenden Viren, unter Insektiziden (über verunreinigten Pollen) und daher sollte man sie nicht auch noch unnötig mit Medikamenten und Chemie belasten.
Ausserdem belasten und verunreinigen solche synthetischen Varroabehandlungsmittel das Bienenwachs erheblich!
Mein Wunsch ist es, die Milben möglichst ohne Chemie in Schach zu halten. Wir sollten nicht nach neuen Chemikalien suchen, das ist der falsche Weg!
Das Gebot der Stunde heisst
biotechnische Massnahmen.
Solche Alternative Massnahmen gibt es viele. Nicht alle sind was sie versprechen.

  • Totale Brutentnahme mit Bannwaben
    Mit dieser Methode schlägt man viele Fliegen mit einer Klappe ohne Sommerbehandlung mit Ameisensäure: Die Bienen sind Varroafrei (99 % der Milben werden vernichtet), das Wabenmaterial ist sauber und AFB- und virenfrei, das Volk produziert sehr gesunde Winterbienen und sogar der Honigertrag steigt!
  • Totale Brutentnahme mit Wabenerneuerung (Plazermethode)
    Alle Waben werden erneuert! Auch hier gilt das gleich wie bei der Bannwaben Methode. Allerdings ist es nicht nötig im Vorfeld die Königin abzusperren.
    Platzer-Methode (Broschüre)
  • Hyperthermie Die Hyperthermie gibt einem ein Werkzeug an die Hand, dass es ermöglicht den Varroadruck schon im Frühjahr über 80 % zu senken, so wird die exponentielle Vermehrung  einschneidend verändert.
    Aber Vorsicht, Hyperthermie ist nicht gleich Hyperthermie!
    Es gibt viele Geräte auf dem Markt, die ihre Versprechen nicht halten können.
    Hier ist es ratsam sich ein Überblick zu verschaffen, eine        ausgezeichnete Anlaufstelle ist, Hyperthermie Schweiz, bei  diesem Verein werden sie sachkundige Antworten Erhalten. http://www.varroahyperthermie.ch/hyperthermie.html
  • Eine konsequente Umsetzung des Drohnenschnittes kann den Varroadruck erheblich senken.
  • Ableger Bildung, hier möchte ich besonders auf dasKunstschwarmvervahren hinweisen.
    Ableger-Jungvolkbildung
  • Selbstverständlich es ist auch möglich biotechnische Massnahmen zu kombinieren.

Ich persönlich setzt seit 6 Jahren keine Ameisensäure mehr ein, meine Völker sind vital und gesund. Ich finde auch, dass das Imkern ohne diese Säure angenehmer ist. Selbstverständlich ist die Varroaproblematik nicht vom Tisch, aber mein Ziel ist es total ohne Säuren die Varroa in Schach zu halten.
Der nächste logische Schritt wird sein, auch auf die Oxalsäure zu verzichten, die ersten Versuch laufen schon und scheinen vielversprechend zu sein.

Ich werde im laufenden Jahr detailliert, diverse biotechnische
Massnahmen Schritt für Schritt vorstellen.

Thomas Pfister
Bieneninspektor, Berater, Zuchtberater