Honig ist mit Pestiziden kontaminiert

75 Prozent aller Honige weltweit enthalten mindestens ein Neonicotinoid

Drei Viertel sind kontaminiert: 75 Prozent der Honige weltweit enthalten inzwischen Neonicotinoide – viele Proben waren sogar mit gleich mehreren dieser Pestizide versucht, wie eine Studie enthüllt. Die Pestizide gelangen über den von Bienen gesammelten Pollen und Nektar in den Honig. Zwar sind die gemessenen Konzentrationen für uns nicht akut gesundheitsschädlich, für die Honigbienen aber schon, wie die Forscher im

Fachmagazin „Science“ betonen.
Neonicotinoide sind die weltweit am häufigsten eingesetzten Insektenbekämpfungsmittel – ein Drittel der Äcker werden mit diesen Pestiziden behandelt. Inzwischen jedoch mehren sich die Hinweise darauf, dass Neonicotinoide für Honigbienen, Hummeln und weitere nützliche Bestäuberinsekten schädlich sind. Sie stören unter anderem deren Orientierungssinn, wirken wie eine Droge und machen Wespen geruchsblind. Die Neonicotinoide stehen daher seit einigen Jahren im Verdacht, mitschuld am weltweiten Bienensterben zu sein.

Honigproben aus aller Welt
Doch wie sich jetzt zeigt, sind die Bienen nicht die einzigen Leidtragenden: Sammeln sie mit Neonicotinoiden verseuchten Pollen und Nektar, gelangt das Pestizid über den Honig auch in unsere Nahrungskette.
Wie groß die Belastung des Honigs mit Neonicotinoiden ist, haben nun Edward Mitchell von der Universität von Neuchâtel und seine Kollegen erstmals weltweit untersucht.
Für ihre Studie sammelten die Forscher im Rahmen eines weltweiten Citizen-Science-Projekts 198 Honigproben von allen Kontinenten außer der Antarktis. Sie analysierten alle Proben auf ihren Gehalt an fünf gängigen Neonicotinoiden: Acetamiprid, Clothianidin, Imidacloprid, Thiacloprid und Thiamethoxam.

Drei Viertel der Honige sind kontaminiert
Das erschreckende Ergebnis: „75 Prozent der Honigproben enthielten messbaren Mengen von mindestens einem Neonicotinoid“, berichten Mitchell und seine Kollegen. Am höchsten war der Anteil verseuchter Proben dabei in Nordamerika mit 86 Prozent und Asien mit 80 Prozent. Aber auch in Europa waren 79 Prozent aller Honigproben mit Neonicotinoiden kontaminiert.
„Dieses Resultat bestätigt, dass Honigbienen weltweit inzwischen durch Neonicotinoide in ihrem Futter belastet sind“, konstatieren die Forscher. Dabei beschränkt sich die Belastung meist nicht nur auf eines dieser Pestizide. Stattdessen nehmen die Bienen häufig einen ganzen Cocktail an Neonicotinoiden auf, wie die Honigproben belegen. In 45 Prozent der Honige fanden die Forscher mehr als zwei Neonicotinoid-Arten, in zehn Prozent der Proben waren sogar vier bis fünf verschiedene Neonicotinoide nachweisbar.

Für uns wahrscheinlich nicht schädlich…
Für uns Menschen ist diese Kontamination – noch – nicht schädlich, wie die Wissenschaftler betonen. Mit Konzentrationen von im Mittel 1,8 Nanogramm pro Gramm Honig liegen die Werte bei den meisten Proben unter den zulässigen Grenzwerten der EU und der USA. Diese liegen je nach Substanz zwischen 10 und 50 Nanogramm pro Gramm. Bei zwei Honigproben jedoch überschritten die Gesamtwerte aller Neonicotinoide dieses Limit.
„Nach bisherigem Kenntnisstand dürfte der Genuss von Honig daher nicht gesundheitsschädlich sein“, so Mitchell und seine Kollegen. Allerdings: Gerade in jüngster Zeit haben Studien Hinweise auf subtile Effekte der Neonicotinoide auch auf den Hirnstoffwechsel von Säugetieren und auch dem Menschen gefunden. „Dies könnte in Zukunft dazu führen, dass die zulässigen Höchstmengen für Neonicotinoide in Lebensmittels neu bewertet werden müssen“, so die Forscher.

…für Bienen aber schon
Für die Honigbienen jedoch zeichnen die Testergebnisse ein düsteres Bild.
In 34 Prozent der Proben fanden die Forscher Konzentrationen, die als schädlich für Bienen gelten. Die Insekten nehmen die Pestizide damit nicht nur direkt über Pollen und Nektar auf, sie verseuchen sich zusätzlich auch über ihren eigenen Honig. Dieser dient vor allem im Winter und in blütenarmen Zeiten als Notnahrung. 

Besondere Sorge bereitet den Wissenschaftlern die Tatsache, dass in so vielen Honigproben gleich mehrere verschiedenen Neonicotinoide enthalten waren. „Solche Cocktails stehen im Verdacht, weitaus schwerwiegender zu schaden als die bloße Summe der einzelnen Effekte“, betonen Mitchell und seine Kollegen. „Bei einem großen Teil der Proben sind negative Auswirkungen auf die Bienen daher sehr wahrscheinlich.“

(Science,2017; doi: 10.1126/science.aan3684)

 

Imkerfachtagung mit Andreas Platzer

30.09.2017  AULA DER SEKUNDARSCHULE TAFERS
KOMMENTAR

ES GEHT AUCH ANDERS!
Die Fachtagung vom 30. September 2017 hat uns Anwesende regelrecht geschüttelt!
Der erfahrene Südtiroler Imker und Bienensachverständige, Andreas Platzer, hat uns an dieser Tagung in drei Vortragseinheiten ein alternatives Varroa-Bekämpfungskonzept vorgestellt. Er hat uns seine Erkenntnisse auf eine lebendige Art, manchmal etwas provokativ und mit sehr viel Überzeugung vermittelt und uns aufgefordert, unsere Betriebsweise von Grund auf zu überdenken.

Mit der „Wabenerneuerung in Kombination mit der Varroa-Bekämpfung“ hat uns Andreas Platzer einen gangbaren Weg gezeigt, bei dem der natürliche Reinigungsprozess der Bienenvölker durch Schwärmen in eine rationelle Betriebsweise integriert wird. Die komplette Wabenerneuerung im Juli stellt einen technischen Lösungsansatz dar, mit dem die Varroa-Population ohne jegliche Säuren oder andere Chemikalien um bis zu 80% gesenkt werden kann. Mit einer Kombination von weiteren technischen Massnahmen wie Drohnenbrutentnahme und Jungvolkbildung sowie dem Einsatz von Oxalsäure ist es möglich, das Varroa-Problem auch ohne den Einsatz von Ameisensäure oder synthetischen Milbenmitteln in den Griff zu bekommen. Um auch noch die „Altlasten“ in Form von Rückständen verschiedenster Chemikalien im Wachs loszuwerden hat er uns im letzten Vortragsteil eine Vorgehensweise vorgestellt, um zu einem eigenen, sauberen Wachskreislauf zu gelangen.

Diese neuen Ansätze bringen eindeutige Vorteile bei der Bekämpfung unseres grössten Feindes bei unserer alltäglichen Imkerarbeit. Sie bedingen allerdings eine selbstkritische Haltung und ein grundsätzliches Überdenken der eigenen, zum Teil jahrelangen Betriebspraxis. Bin ich bereit, meine Imkerarbeit zu überdenken? Will ich meine Betriebsweise überhaupt ändern? Und wenn ja, bin ich bereit, mein Handwerk teilweise neu zu lernen und in die Praxis umzusetzen?

Wenn ich diese Fragen mit JA beantwortet kann, dann gibt es einen klaren Weg. Das ist motivierend und angesichts der zunehmenden Varroa- und Viren- und Rückstandsproblematik wirklich einen Versuch wert!

Das alternative Varroa-Bekämpfungskonzept, die Wabenerneuerung und die Wachsaufbereitung sind in der Broschüre von Andreas Platzer zusammen mit vielen praktischen Tipps detailliert beschrieben („Varroa – alte/neue Herausforderung“, Andreas Platzer, Südtiroler Imkerbund, 39100 Bozen /

Wie Andreas Platzer bei seinem Schlusswort in der Varroa-Broschüre selber schreibt: „Um der Bienen willen sei aber geraten, sich die gesamte Varroa-Broschüre zu studieren.

Ein Varroa-Bekämpfungskonzept ist kein technisches Gerät, bei dem man aus Zeitgründen die „Kurzanleitung“ lesen kann um das Gerät in Betrieb zu nehmen. Man muss sich die Zeit nehmen und das Konzept verinnerlichen.“

Die Teilnehmer der Imkerfachtagung waren von seinen Ausführungen begeistert und haben sich mit grossem Applaus bei Andreas Platzer für die wertvollen Tipps und praktischen Anleitungen, aber auch für die wichtigen Überlegungen und Lösungsansätze herzlich bedankt!

Mit freundlichen Imkergrüssen
Bienenfreunde Senseland

 

 

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