TROTZ KÄLTE IN SCHWARMSTIMMUNG


Bienenschwarm

Foto: Sabine Rübensaat

Auch in diesem kalten und bisher nassen Mai muss man mit Bienenschwärmen rechnen.Der Mai ist der Monat der Bienenschwärme. 2017 entwickelt sich das Frühjahr allerdings langsam  es ist kalt, nass und bislang wenig sonnig. Die Bienen hatten bisher keine guten Möglichkeiten auszufliegen. Das heißt jedoch nicht, dass Imker nicht mit Schwärmen rechnen müssen. Christian Dreher, Fachberater für Imkerei am Bieneninstitut Kirchhain, erklärt warum und was bei der Schwarmvorsorge grundsätzlich wichtig ist.

1. Muss man bei dieser späten Frühjahrsentwicklung und dem kalten Wetter, das bis jetzt anhält, mit Bienenschwärmen rechnen?

Dreher: Ja, denn die Bienen entwickeln sich ja trotzdem weiter. Gerade wenn es dann länger nicht möglich ist, dass sie ausfliegen, kann es sein, dass beim ersten Sonnenscheintag ein Schwarm ausfliegt. Ausschlaggebend dafür, dass Bienen schwärmen, ist das Verhältnis von Pflegebienen und offener Brut. Sind viele Bienen geschlüpft und haben diese nichts zu tun, dann steigt die Schwarmstimmung. Ich habe in diesem Jahr schon von den ersten Schwärme gehört.

2. Wie früh im Jahr muss man grundsätzlich an die Schwarmvorsorge denken?

Dreher: Das hängt stark vom Standort und von der Entwicklung der Völker ab. Der April ist der Monat, in dem man aber auf jeden Fall aufmerksam sein sollte. In den Gebieten, in denen es schon früher wärmer ist und sich die Natur entsprechend schneller entwickelt – wie etwa in der Rheinebene – kann Anfang April schon der Zeitpunkt gekommen sein, in dem man an die Schwarmvorsorge denken sollte und in späten Gebieten – wie in der hohen Röhn – kann das erst ab Anfang Mai der Fall sein. Allerspätestens, wenn der Raps die ersten Blüten zeigt, gilt es die Bienen besonders gut im Auge zu haben.

3. Wann und wie kann man dazu die Völker erweitern?

Dreher: Bei Zwei-Zargern wird spätestens zur Kirschblüte der Honigraum freigegeben werden. Bei Ein-Zargern wird in der Regel erst der zweite Brutraum gegeben. Bei einem gut entwickelten Volk kann das bereits zur Salweidenblüte nötig sein. Entsprechend später kommt dann der Honigraum drauf. Es kann aber auch sinnvoll sein, bei einem Ein-Zarger erst den Honigraum zu geben. In einem sehr warmen Frühjahr ist oft die Vegetation schneller als die Bienen. Wenn eine starke Tracht einsetzt und die Völker den Brutraum großflächig bebrütet haben, wird viel Nektar in den oberen Brutraum eingelagert. Er wird zusehends zum Honigraum. Das muss unbedingt verhindert werden, denn das würde den Schwarmtrieb wieder sehr fördern. Muss man unterscheiden, ob schon Tracht vorhanden oder in greifbarer Nähe ist oder nicht. Wenn sich die Bienen bereits stark vermehren, aber noch nicht sehr viel Nahrung finden, ist es besser einen zweiten Brutraum zu geben. Das sollte man aber vermeiden, wenn das Volk eher langsam wächst und dafür schon viel Nektar zu holen ist – denn dann kann es sein, dass sie diesen im Brutraum einlagern und dieser verhonigt.

4. Welche Rolle spielt der Drohnenrahmen?

Dreher: Der Drohnenrahmen hat verschiedene Funktionen wie etwa zur Varroa-Reduzierung. Aber auch bei der Schwarmvorsorge hilft er, da er dem Imker klare Zeichen für eine Schwarmstimmung geben kann. Wenn der Drohnenrahmen zügig ausgebaut wird und wenn die Baulinie geschlossen verläuft, ist das Volk wahrscheinlich nicht in Schwarmstimmung. Eine abgerissene oder gar girlandenartige Baulinie deutet dagegen auf ein baldiges Schwärmen hin. Weitere Zeichen sind, dass der Drohnenbau nicht mehr bestiftet ist oder dass hier schon die ersten Schwarmzellen zu finden sind. Anders herum kann man aber auch sagen, dass der Drohnenrahmen ein wichtiges Mittel zur Schwarmvorsorge ist. Wenn die Bienen viele Drohnen pflegen müssen, verbraucht das viel Futtersaft – sie sind beschäftigt und haben weniger Ressourcen frei fürs Schwärmen.

5. Wann bilde ich wie die ersten Ableger und wie mache ich das?

Dreher: Wenn die Bienenvölker gut entwickelt sind, kann man Ende April bis Anfang Mai die ersten Ableger bilden und so dafür sorgen, dass kein Überschuss an Pflegebienen entsteht. So kann man den Schwarmtrieb verhindern oder zumindest verzögern. Dazu genügt schon das Entnehmen einer Brutwabe, denn daraus kann sich noch bis zum Ende des Bienenjahrs ein neues starkes Volk entwickeln. Wenn ein Volk schon stark in Schwarmstimmung gekommen ist, muss man allerdings mehr als nur eine Wabe entnehmen.

PFLANZENSCHUTZ UND BIENEN

Gesunde Bienen in einer modernen Landwirtschaft

In intakten Ökosystemen leisten Bienen, zusammen mit weiteren Insekten, einen wesentlichen Beitrag zur Bestäubung von Wild- und Nutzpflanzen. Sie sind ein bedeutender Treiber für eine produktive Landwirtschaft und die Sicherstellung einer gesunden Ernährung.

Welche Rolle spielen Bestäuberinsekten für die Nahrungsmittelproduktion?

Bestäuberinsekten wie Hummeln, Honig- und Wildbienen sind für die Erzeugung von Lebensmitteln und damit für die globale Ernährungssicherheit von entscheidender Bedeutung. 80% aller in Europa zur Produktion von Lebensmitteln angebauten Pflanzen (dazu zählen viele Gemüsesorten wie die Tomate oder Gurke) und 40% der globalen Lebensmittelproduktion profitieren von diesen Bestäubungsleistungen.

Wertvolle Honigbiene

Bee collecting pollen (canstockphoto 5415299)

Die Honigbiene gilt als der wichtigste Bestäuber von Kultur- und Wildpflanzen und ist damit ein bedeutendes Nutztier des Menschen. Sie wird von Landwirten geschätzt, da sie gezielt zur Bestäubung der Kulturen eingesetzt werden kann. Neue Studien lassen nun aber erahnen, dass die Rolle der Wildbienen und anderer Wildbestäuber bisher deutlich unterschätzt wurde. Im Gegensatz zu den Honigbienen sind Wildbestäuber wie Wildbienen und Hummeln auch bei niedrigeren Temperaturen, Regenwetter und Wind aktiv und somit oftmals ebenbürtige, effizientere oder gar die alleinigen Bestäuber bestimmter Blütenpflanzen.

Was bedroht die Gesundheit der Bestäuberinsekten?

Pollination by butterfly

Wissenschaftliche Untersuchungen legen nahe, dass die Bienengesundheit von verschiedenen Faktoren abhängig ist. Die Forschung hat dabei keinen einzelnen Faktor als Ursache identifiziert, sondern macht vielmehr eine Kombination von Gründen für den Rückgang der Bienenpopulationen in einigen Regionen verantwortlich. Zu den Ursachen zählen etwa Viren, Bakterien und Parasiten (z.B. Milben), die Bienenstöcke mit Krankheiten infizieren und damit welche schwächen. Hinzu kommen eine ungenügende Ernährungsgrundlage über die gesamte Saison, der Verlust natürlicher Lebensräume wie Hecken und Uferzonen, ungünstige Klimabedingungen sowie in einigen Fällen die unsachgemässe Anwendung von Pflanzenschutzmitteln oder die nachlässige Haltung und nachlassende Vermehrung durch die Bienenzüchter.

Kann Bienengesundheit gemessen werden?

Beehives

Die Bienengesundheit wird von verschiedenen Ursachen beeinflusst, was eine genaue Bestimmung der Kausalzusammenhänge erschwert. Frühere Modelle beschränkten sich daher auf eine kleine Auswahl an Parametern. Dank neuster IT-Technologie ist es nun aber mit dem BEEHAVE Model möglich, die Gesundheit eines ganzen Bienenstocks abzubilden und dabei Umwelteinflüsse wie Nahrungsangebot, Krankheitsdruck und weitere Elemente inklusive saisonaler und landschaftlicher Gegebenheiten zu berücksichtigen.

Pflanzenschutzmittel und Bienengesundheit

Wirkstoffe von Pflanzenschutzmitteln werden vor der Zulassung gründlich durch die staatlichen Behörden geprüft. Erst wenn das antragstellende Unternehmen sämtliche erforderten Nachweise bezüglich Sicherheit des Wirkstoffes erbracht hat, wird dieser für spezifische Anwendungen auf definierten Pflanzenkulturen registriert. Dabei werden explizit die möglichen Auswirkungen auf Nichtzielorganismen wie die Honigbiene getestet. Pflanzenschutzmittel zählen damit zu den am besten geprüften chemischen Stoffen überhaupt.

Two Bees and dandelion flower, series of dandelion.

In wenigen Einzelfällen wurden Bienenvölker durch den nicht vorschriftsgemässen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln geschädigt (z.B. durch Nichtbefolgung von Anweisungen auf Produkte-Etiketten). Dieses Risiko wird durch entsprechende Trainings minimiert. Fälle missbräuchlichen Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln, die Schäden an Bienenbeständen verursacht haben, sind in der Folge intensivierter Bemühungen seitens der Behörden, Industrie und Anwenderorganisationen in den letzten Jahren signifikant zurückgegangen.

Einige theoretische Forschungsarbeiten postulierten jüngst, dass Pflanzenschutzmittel selbst bei vorschriftsgemässer Anwendung direkt für Verluste bei Bienenvölkern verantwortlich sein könnten. Diese Studien stützten sich auf Laborversuche oder andere Studien mit einem unrealistischen Design, in denen einzelne Bienen in einem künstlichen Umfeld einem Wirkstoff eines Pflanzenschutzmittels ausgesetzt wurden und so eine Reaktion zeigten. Unter realen Bedingungen im Feldversuch könnten aber diese Thesen nie erhärtet werden.

Wie gesund sind die Bienen wirklich?

Meldungen dramatischer Rückgänge der Honigbienenbestände seit der Jahrtausendwende in Europa und Nordamerika, insbesondere über die Wintermonate, gelten als Auslöser der öffentlichen Debatte über den Gesundheitszustand der Honigbienenbestände und der jüngsten Verschärfung der gesetzgeberischen Vorgaben beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Aktuell zeigen neue Daten der zuständigen staatlichen Behörden sowie unabhängiger Forschungseinrichtungen (etwa die COLOSS-Studie, welche unter Federführung der Universität Bern entstand), dass die Gesundheit der Honigbienen in manchen Jahren europaweit erfreulich gut ist. Die Winterverlustraten 2013/2014 waren unerwartet tief und auch die Gesundheit der Bienenvölker war im vergangenen Jahr besser als erwartet.

Was unternimmt die Industrie, um Bestäuberinsekten zu schützen?

Flowers on meadow

Die Bienengesundheit kann langfristig nur dann nachhaltig verbessert werden, wenn alle involvierten Akteure gemeinsam agieren. Die Industrie investiert in die Erforschung und Entwicklung neuer Produkte, die noch geringere Risiken für Nichtzielorganismen bergen und gleichzeitig den Landwirten ermöglichen, ihre Nutzpflanzen zu schützen. Gemeinsam mit Partnern staatlicher Behörden und bäuerlicher Organisationen stellt sie zudem sicher, dass die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse im Bereich Applikation der Pflanzenschutzprodukte zu den Anwendern gelangen. Ausserdem setzt sie sich mit weiteren Partnern wie Universitäten und Forschungsanstalten dafür ein, die Biodiversität in der Landwirtschaft (etwa durch Feldrandstreifen) zu verbessern und damit die Bienenvölker nachhaltig zu stärken.

Gezielter Einsatz dank moderner Technologie

Fortschritte in der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln erlauben es heute, Pflanzenschutzmittel sehr gezielt einzusetzen. Dabei kommen je nach Nutzpflanze und Schädlingsdruck unterschiedliche Technologien wie Saatgutbehandlung, Granulate und spezielle Spritzvorrichtungen zum Einsatz.

https://pflanzenschuetzer.ch/wp-content/uploads/2015_Flyer_Bienengesundheit_V2_de.pdf